Interview mit Anna Baiser und Isa-Henrika Heisel, Entwicklungsingenieurinnen bei FRIMO in Lotte

Im TechCenter von FRIMO am Standort Lotte arbeiten tagtäglich zwölf feste Mitarbeiter. Darunter sowohl Anwendungstechniker als auch Entwicklungsingenieure. Wer jetzt an geballte Männerpower denkt, der liegt falsch, denn das Team von René Ring, Leiter F&E/TechCenter in Lotte, wird bei seiner Arbeit von zwei Frauen tatkräftig unterstützt. Im Interview sprechen die beiden Entwicklungsingenieurinnen Anna Baiser und Isa-Henrika Heisel unter anderem über ihre Arbeit im TechCenter und über die Zusammenarbeit mit ihren überwiegend männlichen Kollegen.

Zwei Frauen unter Zehn Männern – jetzt einmal ehrlich: Wer hat im TechCenter die Hosen an?

Anna Baiser (lacht laut): Also die Männer haben uns die Hosen zumindest noch nicht ausgezogen!

Isa-Henrika Heisel: Ich glaube, dass niemand so richtig die Hosen an hat. Bei uns im TechCenter sind alle zunächst einmal gleichberechtigt. Wir als Frauen haben in allen Belangen Mitspracherecht. Unsere Ideen und Einwände werden vom Team aufgenommen und akzeptiert. Das Verhältnis zu unseren Kollegen ist daher also echt entspannt und angenehm.

Wie seid Ihr zu Eurem Beruf als Entwicklungsingenieurinnen gekommen?

Isa-Henrika Heisel: Schon in der Schule habe ich mich hauptsächlich für die naturwissenschaftlichen Fächer wie Biologie, Chemie und Co. interessiert. Nach meinem Abitur folgte dann ein Studium der Kunststofftechnik. Durch eine Messe an der Hochschule Osnabrück bin ich dann erstmals in Kontakt mit FRIMO gekommen. Aus dem Gespräch ergab sich die Möglichkeit, meine Bachelorarbeit bei FRIMO zu schreiben. Schon während des Praktikums merkte ich, dass die Arbeit dort genau das ist, was ich gerne später machen möchte. Nach meinem Bachelor folgte dann der Master in „Angewandte Werkstoffwissenschaften“ an der Fachhochschule in Osnabrück. Hier habe ich dann auch Anna kennengelernt. Und nun arbeiten wir zusammen bei FRIMO. Ziemlich cool, wie ich finde – eine bessere Kollegin könnte ich mir nicht vorstellen.

Anna Baiser: Bei mir war es etwas anders als bei Isa. In der Schule war ich in allen Fächern gut. Sowohl die naturwissenschaftlichen als auch die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer fielen mir leicht. Das war zwar gut für mein Zeugnis, aber meiner Zukunftsplanung hat das keineswegs geholfen. Ich wusste einfach nicht, was mir besonders liegt und Spaß macht. Mein Mathelehrer brachte mich letztendlich auf die Idee eines Dualen Studiums im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen. Während des Studiums hat mir Werkstofftechnik am meisten Spaß gemacht, weshalb ich mich später dann für den Master „Angewandte Werkstoffwissenschaften“ entschieden habe. Wie Isa bereits sagte, haben wir uns dort kennengelernt und sind nun bei FRIMO Kolleginnen. Während Isa eher für die internen Entwicklungsprojekte in diversen Technologiebereichen verantwortlich ist, bin ich für Kundenentwicklungsprojekte zuständig, insbesondere für die Verarbeitung sogenannter Composite-Materialien im Rahmen von zukunftsweisenden Leichtbauprojekten.

Das klingt nach sehr viel Mathe, Mechanik, Chemie und Technik. Ist das nicht eher öde und reine Männersache?

Anna Baiser: Das ist alles andere als öde! Bereits das Studium ist super spannend. Man betrachtet einzelne Werkstoffe und analysiert sie bis ins Detail. Auch das Rechnen macht jede Menge Spaß, vor allem dann, wenn die Rechnung eine echte Herausforderung ist und man schließlich zu dem richtigen Ergebnis kommt. Im Beruf ist es genauso: Das theoretische Wissen können wir nun umsetzen. Das Tüfteln und eigene Ideen zu verwirklichen macht dabei am meisten Spaß.

Isa-Henrika Heisel: Die meisten Leute assoziieren den Ingenieurberuf mit Männern, aber das ist heute überhaupt nicht mehr so. Frauen können genauso ein mathematisches Verständnis haben wie die Männer. Und langweilig ist es ganz und gar nicht: Am meisten faszinieren mich vor allem die Technik, die einzelnen Materialeigenschaften sowie die gesamten Zusammenhänge.

Welche Kompetenzen sollte man mitbringen, um als Entwicklungsingenieur/-in zu arbeiten?

Isa-Henrika Heisel: In erster Linie sollte man natürlich ein gewisses Interesse an den naturwissenschaftlichen Fächern mitbringen. Darüber hinaus ist aber auch ein technisches Denken sowie Teamgeist wichtig.

Anna Baiser: Offenheit und die Fähigkeit übergreifend zu denken, sind ebenso wichtige Eigenschaften.

Heute ist es dennoch häufig der Fall, dass die Anzahl der Männer in den Ingenieurberufen überwiegt. Habt ihr Tipps, wie man sich unter den Männern durchsetzen kann?

Isa-Henrika Heisel (lacht): Man sollte nicht zu mädchenhaft sein und den Humor der Männer verstehen können. Da gehört dann auch dazu, dass man den ein oder anderen lockeren Spruch nicht zu ernst nimmt und darüber lachen kann.

Anna Baiser (schmunzelt): Genau, und ab und zu darf man dann auch einmal frech sein und kontern.