Auf dem Hochsitz zu Hause

Interview mit Bernd Risse, Geschäftsleiter Technik für die FRIMO Werke Lotte und Sontra

Feierabend im FRIMO Werk in Sontra. Bernd Risse steigt zufrieden in sein Auto und fährt zu seiner Zweitwohnung nach Datterode. Dort angekommen zögert er nicht lange: Sakko und Hemd werden gegen Jagdstiefel und Mantel ausgetauscht, die Aktentasche beiseite gestellt und das Jagdgewehr in die Hand genommen. Sein Hochsitz wartet schließlich schon. Seit seinem 17. Lebensjahr ist Bernd Risse passionierter Jäger. In seinem Bezirk im angrenzenden Thüringen geht er mehrmals in der Woche auf die Pirsch. Dass hinter dem Hobby als Jäger noch viel mehr steckt, als das bloße Erlegen von Tieren, erklärt uns Risse im Interview.

Herr Risse, als Geschäftsleiter bei FRIMO ist ein voller Terminkalender und ein straffer Tagesplan nicht ungewöhnlich. Wie sieht für Sie ein perfekter Feierabend aus?

Risse: Wenn ich im Sommer bis in den späten Herbst hinein von der Arbeit heimkomme, dann fahre ich zunächst zu meiner Wohnung, ziehe mich schnell um und fahre dann ins Revier. Dank Begehungsschein darf ich dort seit einigen Jahren offiziell jagen. Je nach Wetter und Lichtverhältnissen bleibe ich dann dort bis spät in die Dämmerung hinein – bei Vollmond auch schon einmal länger.

Ist das nicht langweilig?

Risse: Nein, überhaupt nicht. Das Jagen ist der perfekte Ausgleich zum Arbeitsalltag. Die Ruhe genießen, in der Natur zu sein, endlich Zeit zum Nachdenken zu haben – das ist einfach genau das Richtige nach der Arbeit. Außerdem kann es zwischendurch auch immer wieder aufregend werden und einen echten Adrenalinschub geben, wenn Wild gesichtet wird und man sich letztendlich entscheidet zu schießen.

Sie sagen, Sie wägen ab, ob Sie letztendlich Wild erlegen oder nicht. Gibt es da Kriterien?

Risse: Ja, die gibt es. Grundsätzlich müssen die gesetzlich vorgeschriebenen Schon- bzw. Jagdzeiten eingehalten werden. Hält man sich nicht daran, so wird solch ein Verhalten strafrechtlich verfolgt. Darüber hinaus gibt es alters-, geschlechtsspezifische- und gesundheitliche Kriterien, nach denen gejagt wird.

Als Jäger ist man häufig den Vorwürfen vieler Tierschützer und –liebhaber ausgesetzt. Wie gehen Sie damit um?

Risse: Es ist zwar nicht immer alles richtig, was auf der Jagd passiert, jedoch ist auch nicht immer alles korrekt, was die vielen Gegner des Jagens behaupten. Als Jäger besitzt man auch eine hohe Verantwortung gegenüber der Natur. Ein artgerechter Bestand muss erhalten bleiben, dafür sollte man als Jäger sorgen. Jagd bedeutet für mich ein tiefes Erleben der Natur, ein verantwortungsvolles Handwerk und – das gebe ich unumwunden zu – auch Beute zu machen. Und zu dieser Leidenschaft stehe ich voll und ganz. Das Reduzieren von Wildbeständen und das Gewinnen von Wildbret setzten nun mal voraus, dass Tiere getötet werden. Das gilt sowohl auf der Jagd als auch für jedes Schnitzel und Steak an Fleischtheken beim Metzger oder im Supermarkt. Natürlich ist dabei das Ziel immer, das Wild so schnell und schmerzfrei wie möglich zu erlegen.

Wie sind sie zum Jagen gekommen?

Risse: Ich bin in einem kleinen Dorf im Sauerland groß geworden. Dort kam man schon früh mit der Jagd in Berührung. Bereits mit 12 Jahren war ich das erste Mal als Treiber bei einer Treibjagd mit dabei. Außerdem begleitete ich damals gerne ältere, erfahrene Jäger auf ihren Ansitzen. Mit 17 habe ich dann offiziell den Jagdschein erworben. Zu der Zeit bin ich sieben Monate zwei Mal die Woche zu dem Vorbereitungskurs gegangen, der extra zum Erwerb des Jagdscheines angeboten wurde. Die Jagdausbildung ist sehr anspruchsvoll. Es müssen sowohl eine schriftliche, eine mündliche als auch eine Schießprüfung abgelegt werden. Nicht umsonst nennt man die Ausbildung auch „das grüne Abitur“.

Ein bisschen also wie in der Schule.

Risse (schmunzelt): Ja genau. Man hat Fächer wie Waffenkunde, Wildtierkunde, Jagdrecht, Wald- und Naturkunde und lernt, wie man mit erlegtem Wild umzugehen hat.

Besitzen Sie denn auch einen obligatorischen Dackel?

Risse (lacht): Ne, ich hatte als Jugendlicher mal eine Bracke, etwas größer wie ein Dackel, mit ähnlich langem Körperbau und kurzen Beinen - aber auf Grund meines Studiums, meiner Arbeit und der damit verbundenen Abwesenheit von meiner alten Heimat, habe ich leider nicht genug Zeit und Möglichkeiten, einen Hund zu halten. Es heißt zwar „Jagd ohne Hunde ist Schund“ und da ist auch etwas dran, aber wenn man sich einen Hund zulegt, dann sollte man auch genügend Zeit haben, ihm die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Was bedeutet das Jägersein für Sie?

Risse: Sehr viel. Jagd bedeutet auf der einen Seite Ruhe und Einsamkeit, auf der anderen Seite aber auch Anspannung, Erleben und auch Geselligkeit, zum Beispiel bei herbstlichen Treibjagden. Jagd ist nicht nur ein Hobby. Die Jagd bedingt einen respektvollen Umgang mit Wild & Natur; Einhalten von Tierschutzvorschriften, verantwortungsvollen Umgang mit Waffen, einen angemessenen Auftritt gegenüber der nichtjagenden Bevölkerung und auch ein Festhalten an Traditionen und überlieferten Werten. Für mich ist die Jagd weiterhin ein perfekter Ausgleich zum Alltag. In meinem Job bei FRIMO muss ich viel Reden, noch mehr Zuhören, Verhandeln und Lösungen finden – das macht natürlich auch sehr viel Spaß. Aber nach Feierabend auch mal Ruhe zu finden, ohne Emails oder Telefonate …. Das bedeutet mir schon alles sehr viel.