"Also der Trend gehr immer weiter in Richtung Leichtbau, das heißt gerade im Automobilbereich muss immer mehr Gewicht eingespart werden, um die Effizienz zu erhöhen. "

Interview mit Michael Auerswald, Entwicklungsingenieur bei FRIMO in Hamburg

1. Herr Auerswald welche Aufgaben hat man als Entwicklungsingenieur bei FRIMO? Stimmt das Sprichwort einem Ingenieur ist nix zu schwer?

Herr Auerswald (grinst): Also zu meinen Aufgaben gehört zunächst einmal die Entwicklung neuer Prozesse bzw. die Weiterentwicklung bestehender Prozesse, aber auch die Mitarbeit an Forschungsprojekten. Die Zusammenarbeit mit dem Vertrieb, um Materialanfragen aus technischer Sicht zu beurteilen, gehört jedoch auch zu meinen Aufgaben. Hier soll ja das beste Verfahren den Kunden angeboten werden. Falls es sich um einen neuen Kunststoff handelt, werden Schweißversuche mit Probematerial gefahren und die verschweißten Proben werden unteranderem mit einem Mikroskop auf Ihre Morphologie hin untersucht, sowie mit einer Zugprüfmaschine auf die Schweißfestigkeit geprüft. Und noch vieles mehr und ja das Sprichwort stimmt, in der Form, dass wir hier ständig an Aufgabenstellungen und deren Lösungen arbeiten, die es so vorher noch nicht gab.

2. Also in Sachen Kunststoffen macht Ihnen keiner was vor! Konnten Sie bisher jedes angefragte Material verschweißen bzw. eine Alternative liefern oder mussten Sie dazu zu unserer App „Plastic Joining Configurator“ zurückgreifen?

Auerswald (schmunzelt): Nun ja jeder hat so sein Spezialgebiet. :-) Ich würde es mal so formulieren: Wenn ein Kunststoff schmelzbar ist, das heißt wenn er zu den thermoplastischen Kunststoffen gehört, kann man Ihn auch irgendwie Verschweißen (Zitat meines ehemaligen Professors). Aber das ist wohl sehr theoretisch gedacht. In der Praxis sieht das oft anders aus. Gerade bei der Kombination verschiedener Kunststoffe wird es schwierig. Und nein ich muss nicht auf unsere App zurückgreifen, da mein Wissen in dieser App steckt. ;) 

3. Also kam die Idee zur der FRIMO App „Plastic Joining Configurator“ von Ihnen? Was macht die App nach Ihrer Meinung so besonders?

Um ehrlich zu sein…nein. Von mir stammt nur der Inhalt. Aber ich war sofort begeistert von dieser Idee. Eine schnelle Möglichkeit, die Schweißbarkeit zweier Kunststoffe zu überprüfen und im gleichen Schritt schon eine Anlagentechnik empfohlen zu bekommen ist innovativ und hilfreich.

4. Was sind die Zukunftstrends in Sachen Kunststoff?

Also der Trend geht immer weiter in Richtung Leichtbau, das heißt gerade im Automobilbereich muss immer mehr Gewicht eingespart werden, um die Effizienz zu erhöhen. Die E-Mobilität setzt auch hier Maßstäbe. Je weniger Masse bewegt werden muss, desto mehr Energie kann gespart werden und somit erhöht sich auch die Reichweite. Ein weiterer Trend ist das Thema Multimaterialverbindungen wie z.B. Kunststoff-Metall-Verbunde oder Kunststoff mit sehr hohen Festigkeit. Die unterschiedlichen Schmelztemperaturen stellen uns natürlich auch immer vor neue Herausforderungen. Des Weiteren wird immer mehr die Biokunststoffbranche ins Rampenlicht treten. Also langweilig wird mir nicht!

5. Sind Sie mehr der Theoretiker oder würden Sie auch sagen, dass Sie handwerklich begabt sind? Keine falsche Bescheidenheit!

Ansichtssache. Aber prinzipiell ist ein guter Entwicklungsingenieur auch ein guter Handwerker :-) Hier und da entstehen schon Möbelstücke für das traute Heim und bisher hat alles seinen Zweck erfüllt und ist nicht in sich zusammengefallen.

6. Möbelstücke? Also findet man bei Ihnen keine IKEA Möbel oder wie muss man sich das vorstellen?

Doch doch…hier und da ist schon ein Schränkchen von Ikea zu finden. Funktionell und relativ günstig…das kann man schon mal machen. ABER „Selber Machen“ ist dennoch besser und man(n) ist ja auch stolz auf das was man(n) gebaut hat.

7. Also ein „echter Mann“ :-) – mit ganz viel Fleisch oder doch eher die vegetarische Schiene?

Auerswald (schmunzelt): Verstehe die Frage nicht…kann man vegetarisches Essen bzw. Grillen? Spaß beiseite…ich selbst war auch mal Vegetarier…sogar Veganer…aus gesundheitlichen Gründen. Doch das hat sich alles wieder eingependelt und somit darf es auch mal ein gutes, großes Stück Rind sein.